Zur Bedeutung von Jugendpartizipation

Anders als im Englischen, Französischen oder Spanischen zählt der Begriff "Partizipation" im Deutschen nicht unbedingt zu den in der Umgangssprache verwendeten Wörtern. Stattdessen nutzen wir eine Vielzahl von Begriffen wie Beteiligung, Einbeziehung, Mitbestimmung, Mitwirkung oder Teilhabe. Gemeinsam ist allen, dass es darum geht, jemanden mitmachen zu lassen.

Foto: DBJR | Thore Wetzel
Junger Mann und junge Frau mit Mikrofon sprechen vor einer Gruppe. Foto: DBJR | Thore Wetzel

Partizipation - eine Begriffsbestimmung

Klarer wird dieses "Mitmachen", wenn man zur ursprünglichen Bedeutung von Partizipation zurückgeht: Der Begriff leitet sich vom lateinischen "partem capere" ab und meint wörtlich "einen Teil (weg-)nehmen". Übertragen auf den gesellschaftlich-politischen Kontext heißt das, einen Teil der Gestaltungsmacht an sich zu nehmen. Im Umkehrschluss muss dazu ein anderer Gestaltungsmacht abgeben. 

Junge Menschen entscheiden oder mitentscheiden zu lassen, heißt also, die Gestaltungsmacht von Erwachsenen zu reduzieren, so dass Jugendliche selbst Verantwortung für ihre Lebenswelt und die sie betreffenden Entscheidungen übernehmen können. Beteiligung von Jugendlichen ist deshalb nur "echt", wenn es auch wirklich etwas zu gestalten gibt, sich also direkte Folgen und Konsequenzen daraus ergeben.

Zum Weiterlesen

  • Deutscher Bundesjugendring: Jugendbeteiligung leicht gemacht, Berlin 2009. ››› kostenlos bestellen

     
  • Deutscher Bundesjugendring: Partizipation in Jugendverbänden, Berlin 2008. ››› kostenlos bestellen

  • Deutscher Bundesjugendring: Jugend braucht Gestaltungsmacht. Jugendpolitisches Eckpunktepapier (Position 35), Berlin 2004. ››› Download

  • Deutscher Bundesjugendring: Mitwirkung mit Wirkung. Positionsbeschreibung des Deutschen Bundesjugendrings zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in politischen Zusammenhängen und Kriterienkatalog (Position 12), Berlin 2002. ››› Download

Stufen der Partizipation

Foto: fordieinfrance (CC: BY-NC-SA) - flickr.com
Blau gestrichene Holztreppe. Foto: fordieinfrance (CC: BY-NC-SA) - flickr.com

Je nach Umfang der Gestaltungsmacht, die jungen Menschen übertragen wird, lassen sich unterschiedliche Stufen von Partizipation unterscheiden. Dabei stellen die ersten drei Stufen keine wirkliche Beteiligung dar und die letzte Stufe geht eigentlich schon über Beteiligung hinaus:

  1. Fremdbestimmung: Jugendliche werden gezielt gelenkt, um die Interessen von Erwachsenen durchzusetzen.

  2. Dekoration: Jugendliche dienen lediglich als Beiwerk.

  3. Alibi-Teilhabe: Jugendliche werden "scheinbar" beteiligt, besitzen aber faktisch keine Gestaltungsmacht.

  4. Teilhabe: Jugendliche können abgesehen von der Teilnahme an einem Vorhaben auch sporadisch ihre Meinung äußern.

  5. Zugewiesen, aber informiert: Projekte sind von Erwachsenen initiiert, Jugendliche sind aber über Inhalt und Partizipationsmöglichkeiten hinreichend informiert.

  6. Mitwirkung: Jugendliche können sich durch Anregungen oder Kritik beteiligen, die endgültige Entscheidungskompetenz liegt aber bei den Erwachsenen.

  7. Mitbestimmung: Jugendliche tragen Mitverantwortung in Teilbereichen.

  8. Selbstbestimmung: Jugendliche entscheiden selbst, Erwachsene haben eine unterstützende Rolle.

  9. Selbstverwaltung: Jugendliche verfügen über völlige Autonomie bei ihren Entscheidungen.


Hinweis: Die Stufen der Partizipation basieren auf dem Buch von Richard Schröder "Kinder reden mit! Beteiligung an Politik, Stadtplanung und -gestaltung" entnommen, das 1995 erschien.


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