Die EU-Jugendstrategie: Ein Papier mit Wirkung

Der Strukturierte Dialog ist seit 2010 eng mit der sogenannten EU-Jugendstrategie verknüpft. Sie ist praktisch der zentrale Bezugspunkt, um den sich die Dialogprozesse drehen. Hier erfahrt Ihr mehr darüber, was es mit dieser Strategie auf sich hat.

Foto: kallejipp - Photocase
Mensch mit EU-Schirm in der Hand springt in die Luft

Eine Strategie für die Jugend Europas

Die EU hat in Sachen Jugendpolitik nicht viel zu sagen. Ihre Kompetenzen beschränken sich im Jugendbereich auf einige wenige Aufgabengebiete, wie zum Beispiel die Förderung des Jugendaustauschs. Das, was in der europäischen Jugendpolitik passiert, beruht deshalb zum überwiegenden Teil auf einer freiwilligen Kooperation der EU-Mitgliedstaaten untereinander.

Für diese Zusammenarbeit haben die EU-Mitgliedstaaten eine Strategie vereinbart, um die Lebenssituation junger Menschen in Europa zu verbessern. Die Strategie legt fest, welche Ziele man erreichen, auf welche Arbeitsschwerpunkte man sich dabei konzentrieren und welche Mittel man dafür nutzten möchte.

Die Strategie für die jugendpolitische Zusammenarbeit wurde im November 2009 von den EU-Jugendminister_innen verabschiedet und gilt für die Jahre 2010 bis 2018. Im offiziellen EU-Sprech heißt das Dokument "Erneuerter Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa". In Deutschland nennen wir es kurz und knapp "EU-Jugendstrategie".

 

Die EU-Jugendstrategie ist dabei nicht ?out of the blue? entstanden. Im Vorfeld wurden auch Jugendliche und Jugendorganisationen sowie Expert_innen der Jugendarbeit in ganz Europa konsultiert. Dafür wurde auch der Strukturierte Dialog genutzt.

 

Mehr über die EU-Jugendstrategie

Die Ziele

Hauptziel der EU-Jugendstrategie ist es, die Lebenssituation junger Menschen in Europa zu verbessern. Dabei stehen zwei Punkte besonders im Vordergrund:

  • für alle jungen Menschen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit bei der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen
  • das gesellschaftliche Engagement, die soziale Eingliederung und die Solidarität aller jungen Menschen zu fördern.

 
Die Schwerpunktthemen

Um das zu erreichen, konzentrieren sich die EU-Mitgliedstaaten auf acht Schwerpunktthemen, die sogenannten Aktionsfelder:

  • Allgemeine und berufliche Bildung
  • Beschäftigung und Unternehmergeist
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Teilhabe
  • Freiwilligentätigkeit
  • Soziale Eingliederung
  • Jugend in der Welt
  • Kreativität und Kultur

Für jedes der Aktionsfelder wird in der EU-Jugendstrategie beschrieben, was bis 2018 erreicht werden soll. Ergänzt wird das Ganze jeweils durch eine Liste von möglichen Aktionen, die die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Zuständigkeiten umsetzen können.

Angesichts der Vielzahl an Themen wurde der Zeitraum bis 2018 in Dreijahreszyklen unterteilt, in denen jeweils ausgewählte Themen in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit gestellt werden. Der erste Dreijahreszyklus läuft von 2010 bis 2012. Für die erste Hälfte (Januar 2010 bis Juni 2011) wurde das Thema "Jugendbeschäftigung" ausgewählt, für die zweite Hälfte (Juli 2011 bis Dezember 2012) "Teilhabe junger Menschen am demokratischen Leben in Europa" am demokratischen Leben in Europa".

Die Instrumente

Die EU-Jugendstrategie nennt darüber hinaus eine Reihe von Instrumenten, die für die Umsetzung der Strategie genutzt werden sollen. Dazu zählen unter anderem das Peer Learning (Voneinander lernen), Fortschrittsberichte, die Nutzung von EU-Programmen und EU-Mitteln sowie Konsultationen und der Strukturierte Dialog mit jungen Menschen und Jugendorganisationen.


››› Der vollständige Text der EU-Jugendstrategie zum Download

Übrigens

Die EU-Jugendstrategie kann auch als ein Meilenstein der europäischen Jugendpolitik verstanden werden. Denn mit ihr gibt es erstmals ein einheitliches Dokument für die jugendpolitische Kooperation in Europa. Zuvor setzte sich der Rahmen für die Zusammenarbeit aus mehreren Dokumenten zusammen. Dazu zählten beispielsweise das Weißbuch „Neuer Schwung für die Jugend Europas“ (2001) und der Europäische Pakt für die Jugend (2005). 

Grafik: David Liuzzo (CC: BY-SA)
Karte der Bundesrepublik Deutschland mit Grenzen der Bundesländer

Europäische Impulse für Jugendpolitik und Jugendhilfe in Deutschland

Mit der Verabschiedung der EU-Jugendstrategie durch den EU-Jugendministerrat ging an die Europäische Kommission und an die EU-Mitgliedstaaten die Aufforderung, deren Inhalte bis 2018 umzusetzen. Für die Mitgliedsländer heißt das: Sie sollen europäische Impulse nutzen, um in den acht Handlungsfeldern ihre Jugendpolitik und Praxis der Jugendarbeit weiterzuentwickeln. 

In Deutschland haben sich der Bund und auch die Länder dazu entschieden, die EU-Jugendstrategie zu nutzen, um Impulse aus der europäischen Zusammenarbeit im Jugendbereich aufzunehmen und so die Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe weiter zu qualifizieren. 

Auszug aus dem Beschluss der Konferenz der Jugend- und Familien-minister_innen der Länder (JFMK) vom 17./18. Juni 2010: 
"Die JFMK sieht in der Entschließung eine große Chance für die Weiterentwicklung der Jugendpolitik in Deutschland und hält die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für ein geeignetes Mittel, um zur Verbesserung der Lebenslagen junger Menschen beizutragen. Die JFMK will daher der Aufforderung der Europäischen Union an die Mitgliedstaaten Rechnung tragen, nationale Umsetzungsstrategien zu realisieren."

Für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie haben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Länder eine enge Zusammenarbeit vereinbart und dafür eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet, in der sie das gemeinsame Vorgehen miteinander abstimmen. Aus der Vielzahl der Themen haben sie drei Schwerpunktthemen ausgewählt, in denen sie bis 2013 in Deutschland etwas voranbringen wollen: 

Mehr über die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland

Zur Realisierung ihrer Vorhaben werden Bund und Länder jeweils in den Bereichen aktiv, für die sie zuständig sind. So bringt das Bundesjugendministerium bspw. europäische Impulse in die von ihm geförderten Modellprojekte ein und die Bundesländer nutzen bspw. ihre Fortbildungen für Fachkräfte.    

Bund und Länder haben darüber hinaus vereinbart, die Akteure der Jugendhilfe und junge Menschen selbst am Umsetzungsprozess zu beteiligen. Das Bundesjugendministerium hat hierzu einen Beirat und jährliche Foren eingerichtet, über die die zentralen Akteure der Jugendhilfe und Jugendpolitik am Prozess beteiligt werden. Darüber hinaus fördert es die Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs sowie eine Transferstelle für die jugendpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der EU.

Begleitet und unterstützt wird die Zusammenarbeit von Bund und Ländern zudem durch eine wissenschaftliche Begleitung und eine Servicestelle.



Logo des Fachkräfteportals der Kinder- und Jugendhilfe


Linktipp

Weitere Informationen zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland und aktuelle Meldungen zu den konkreten Aktivitäten gibt's auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

 

 

Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland
c/o Deutscher Bundesjugendring | Mühlendamm 3 | 10178 Berlin

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