Rückblick: Vom Weißbuch zum Strukturierten Dialog

Die Stärkung von Jugendpartizipation zählt seit den frühen 2000er Jahren zu den Schwerpunkten der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa. Ursprung war das sogenannte Weißbuch „Neuer Schwung für die Jugend Europas“, das die Europäische Kommission 2001 nach einem breit angelegten Konsultationsprozess mit Jugendlichen, Jugendorganisationen und weiteren Akteuren veröffentlichte.

 

Eine Erkenntnis dieses Prozesses war: Jugendlichen wollen einbezogen werden. Dementsprechend wurde in den folgenden Jahren viel ausprobiert: Konsultationen, Anhörungen, europäische Jugendkonferenzen, -events, -wochen... Die Wirkung dieser unzusammenhängenden Einzelaktivitäten erwies sich jedoch als wenig nachhaltig.

 

Foto: aremac - Photocase
Aufsteigende Treppe

2005: Der Anlass

Konkreter Anlass für die Einführung des Strukturierten Dialogs mit der Jugend war das Scheitern der Referenden zum Verfassungsvertrag in Frankreich und den Niederlanden im Jahr 2005 ? mit einer sehr hohen Ablehnungsquote unter jungen Menschen.

 

Eine der Ursachen war die wachsende Skepsis Jugendlicher gegenüber dem europäischen Integrationsprozess. Die Europäische Kommission reagierte mit einer Änderung ihrer Kommunikationsstrategie: Entscheidungen sollten künftig stärker mit den Erwartungen der Bürger_innen rückgekoppelt und die Zivilgesellschaft besser in die europäischen Prozesse einbezogen werden.

 

Der Strukturierte Dialog war der Beitrag des Jugendbereichs zu dieser neuen Strategie. Dabei griff der EU-Jugendministerrat auf einen Vorschlag des Europäischen Jugendforums zurück. Im November 2005 forderte er die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten auf, ?einen strukturierten Dialog mit Jugendlichen und ihren Organisationen über die sie betreffenden politischen Maßnahmen? zu entwickeln. 

 

Ein Jahr später, im November 2006, wurde der Vorschlag konkretisiert, als der Rat erste Empfehlungen für die Umsetzung verabschiedete. Danach sollte sich der Strukturierte Dialog an den Schwerpunktthemen der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa orientieren. Das waren:

  • 2007: Inklusion und Vielfalt 
  • 2008: Interkultureller Dialog
  • 2009: Perspektiven für die künftige jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa/Kreativität

 

 

2007: Erste Aktivitäten

Erste Ansätze, den Strukturierten Dialog mit Leben zu füllen, gab es 2007 beim Europäischen Jugendgipfel in Rom (März), den Jugendevents der deutschen und der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaften (April und September) und der Europäischen Jugendwoche (Juni). In Deutschland fanden im Vorfeld des Jugendevents der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Kampagne "Jugend bewegt Politik" (Nordrhein-Westfalen) und das internationale Projekt "Chancengleichheit und europäische Bildung" (Sachsen-Anhalt) statt.


Unterstützt wurde die Umsetzung des Strukturierten Dialogs durch das EU-Förderprogramm für die außerschulische Bildung (JUGEND IN AKTION), welches ab 2007 ein spezielles Budget für die Förderung von Begegnungen von Jugendlichen mit Verantwortlichen der Jugendpolitik beinhaltete. 
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Doch in der Praxis erwies sich der Strukturierte Dialog als schwierig umzusetzen und die Ergebnisse blieben dürftig. Zwar waren die Jugendkonferenzen und Jugendwochen auf europäischer Ebene nun thematisch miteinander verknüpft, es mangelte aber an klaren Zielsetzungen, Transparenz und der Transfer der Ergebnisse in die Politik blieb zu unverbindlich.

 

Darüber hinaus gelang es nicht, den Strukturierten Dialog in den Mitgliedstaaten zu verankern. Deshalb nutzte man die Chance, die sich mit der Verabschiedung der EU-Jugendstrategie Ende 2009 bot, um dem Strukturierten Dialog einen klareren Rahmen zu geben und ihm mehr Bedeutung zu verleihen.

Zum Weiterlesen: Literaturtipps

Offizielle EU-Dokumente mit Bezug zum Strukturierten Dialog 2005 bis 2007


Zum Weiterlesen

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Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland
c/o Deutscher Bundesjugendring | Mühlendamm 3 | 10178 Berlin

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