Anerkennung außerschulischer Bildung

Bildung findet nicht nur am Arbeitsplatz oder in der (Hoch-)Schule statt: Jeder erwirbt Wissen, neue Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auch außerhalb des so genannten formalen Bildungssystems. Als besonders wertvoll gelten in diesem Zusammenhang vor allem außerschulisch organisierte Gruppenaktivitäten, bei denen die Teilnahme freiwillig ist. Relevant werden die dabei erlangten Kenntnisse zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. 

 

Doch das ist eine Herausforderung: Häufig zeigt sich das, was man dabei gelernt hat, erst auf den zweiten Blick. In ein standardisiertes System wie Schulnoten kann das erlangte Wissen nicht gepresst werden. Wie können außerschulische Bildungsangebote und Gruppenaktivitäten besser anerkannt und sichtbar gemacht werden – sowohl für junge Menschen selbst als auch für Dritte? Wie kann gesellschaftliche Anerkennung stattfinden? Politisch Verantwortliche und Expert_innen aus Wissenschaft und Praxis sowie Jugendvertreter_innen in Deutschland, aber auch europaweit, überlegen und diskutieren seit längerem wie dies funktionieren kann.

 

 

 

Foto: Yana Wernicke | DBJR
Zwei Jugendliche sitzen auf einem roten Sofa. Der eine erklärt der anderen etwas. Foto: Yana Wernicke | DBJR

Die "Anerkennung und Sichtbarmachung der nicht-formalen und informellen Bildung in der Jugendarbeit" wurde deshalb als eines von mehren Schwerpunktthemen für die Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland ausgewählt. Damit wurde sie auch zu einem Schwerpunktthema für den Strukturierten Dialog.

 

Die Konsultation und ihre Ergebnisse

Von Dezember 2011 bis Mai 2011 waren junge Menschen sowie Jugendguppen, -verbände, -initiativen, Schulklassen oder lose Zusammenschlüsse etc. aufgerufen, ihre Meinungen, Vorschläge und Positionen in die Diskussion einzubringen.

 

Die Mitglieder der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie und die Mitglieder der Steuerungsgruppe für die Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik hatten zuvor zugesagt, sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen und den Teilnehmenden ein Feedback zu geben. Beide Gremien setzen sich aus politischen Entscheidungsträger_innen sowie Fachleuten aus Theorie und Praxis zusammen und spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des jeweiligen politischen Prozesses.

  

Was ist mit außerschulischer Bildung gemeint?

Bildung ist ein Prozess: Menschen entwickeln und entfalten darin verschiedene Fähigkeiten. Sie entwickeln ihre Potenziale, lernen zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Möglich ist dies auf drei verschiedenen Wegen. Neben der formalen und in-formellen Bildung gibt es auch die non-formale bzw. außerschulische Bildung. Sie findet in der Regel außerhalb der Schule statt: Jugendclubs und -zentren, Jugendverbände, Sport-, Theater- und Musikvereine, Bildungsstätten oder internationalen Jugendbegegnungen sind nur einige Orte. Außerschulische Bidlung wird zwar organisiert, sie ist dennoch freiwillig.

 

Weitere Informationen über außerschulische Bildung

Denn die Bildungsziele werden von Lernenden und denjenigen, die das Programm gestalten, gemeinsam festgelegt. Jede Person darf mitentscheiden. Das Programm findet dabei nicht in standardisierten Settings statt und nutzt spezielle Methoden. Hierfür wird auf den praktischen Erfahrungen aufgebaut und den individuellen Bedürfnissen der Lernenden angesetzt. Häufig findet das Lernen in Gruppen statt. Am Ende gibt es kein Zeugnis, das die Lernerfolge bewertet. Wenn Zertifikate ausgestellt werden, werden die Inhalte in der Regel gemeinsam von Lehrenden und Lernenden entwickelt. Wichtig für die außerschulische Bildung ist vor allem die Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit: Die Lernenden sollen unterstützt werden das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

 

Ein Ort an dem solche Kenntnisse und Fähigkeiten erworben werden, ist zum Beispiel die Jugend(-verbands)arbeit. Hier lernen junge Menschen, dass auch sie etwas in der Gesellschaft zu sagen haben und wie sie ihre Stimme einbringen können. Sie werden dazu auf unterschiedlichen Wegen qualifiziert: In Juleica-Schulungen erwerben sie Kompetenzen für die Gruppenleitung. Durch die Planung von eigenen Aktionen und Projekten des Verbandes sind sie stark im Eventmanagement und erleben Gemeinschaft. Sie debattieren über unterschiedlichsten Themen und verhandeln darüber mit Entscheidungsträger_innen. Häufig übernehmen sie auch Leitungsverantwortung.

 

Im Sportverein lernen Jugendliche, was es bedeutet ein Team zu sein und als ein solches zu agieren. Sie motivieren sich gegenseitig. Gleichzeitig lernen sie, was Fair-Play bedeutet und sind für zukünftige Konfliktsituationen gerüstet. Durch ihr regelmäßiges Training wissen sie auch, dass man an einer Sache dranbleiben muss, um etwas zu erreichen. Später können sie ihre Tricks weitergeben oder sogar selbst eine Gruppe trainieren.

 

Angebote für Gruppen in unterschiedlichen Settings gibt es in Bildungsstätten. Hier wird sehr interaktiv und methodisch an unterschiedlichen Themen gearbeitet. Alle können eigene Ideen und Positionen entwickeln. Jungen Menschen wird also ein Raum gegeben den eigenen Gedanken zu folgen.

 

Worum geht's bei der Anerkennung außerschulischer Bildung

Man lernt in der Schule — Das ist ein häufig verbreiteter Gedanke. Und damit hat außerschulische Bildung im Vergleich zur formalen Bildung einen deutlich schwereren Stand. Erst seit zehn Jahren setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass junge Menschen bei außerschulischen Bildungsangeboten und Gruppenaktivitäten Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, die einen wichtigen Beitrag für die Persönlichkeitsentwicklung, das gesellschaftliche Engagement, den Erwerb von Schlüsselkompetenzen und vieles mehr leisten. Die erworbenen Fähigkeiten zeigen sich jedoch häufig erst auf den zweiten Blick und lassen sich nicht in ein standardisiertes System wie Schulnoten pressen. Doch es gibt Unterschiede in der Anerkennung außerschulischer Bildung: Wer erkennt die Ergebnisse an und zu welchem Zweck?

 

Worum es noch bei außerschulischer Bildung geht

In der Regel werden vier Formen der Anerkennung unterschieden: Selbstanerkennung, gesellschaftliche Anerkennung, politische Anerkennung und formelle Anerkennung.

 

Selbstanerkennung - Anerkennung von jungen Menschen selbst

Junge Menschen, die an außerschulischen Bildungsangeboten und Gruppenaktivitäten teilnehmen, müssen sich bewusst werden, welche Kenntnisse und Fähigkeiten sie in diesem Rahmen erworben haben. Darüber hinaus müssen sie das Erlernte auch in anderen Bereichen, z.B. in der Schule oder am Arbeitsplatz, gezielt anwenden.

 

Gesellschaftliche Anerkennung - Anerkennung von Dritten

Nicht nur junge Menschen müssen außerschulische Bildung anerkennen. Auch die Gesellschaft muss ihren Teil dazu beitragen. Sie muss verstehen, was außerschulische Bildung ist und die dabei erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie das in diesem Rahmen geleistete Engagement ebenso schätzen. Diese ?Anderen? sind z.B. Familie, Freunde, Schulen und Universitäten, Arbeitgeber_innen, die Nachbarschaft und auch ?die Gesellschaft als Ganzes?.

 

Politische Anerkennung - Anerkennung von oben

Darüber hinaus ist vor allem die politische Anerkennung notwendig. Außerschulische Bildung muss bei der Gesetzgebung, der öffentlichen Förderung und der Entwicklung politischer Strategien berücksichtigt werden. Sie steht als wichtiger Punkt auf der Agenda von Politker_innen und anderen politischen Entscheidungsträger_innen. Die politische Anerkennung umfasst aber auch die Verbände und Organisationen, die außerschulische Bildung anbieten.

 

Formelle Anerkennung - Die Anerkennung muss offiziell werden

Formelle Anerkennung heißt, dass z.B. außerschulische erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten in formalen Qualifikationen wie beispielsweise Zeugnisse einfließen oder dass Angebote der außerschulischen Bildung als offizielle Bildungsprogramme akkreditiert werden.

Termine

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Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland
c/o Deutscher Bundesjugendring | Mühlendamm 3 | 10178 Berlin

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