hochINKLUSIV 3 - Die 3. Runde

Nachdem sich die ersten beiden Beteiligungsrunden um Probleme, Herausforderungen und erste Lösungsansätze drehten, ging's in der dritten und letzten Runde des Strukturierten Dialogs zur Inklusion junger Menschen in die Tiefe - und zwar zu den Themen Bildung, Ausbildung und Arbeit.

Foto: kallejipp | Photocase
Eine Person macht einen großen Sprung vor einer Wand mit bunten Streifen. Unter den ausgestreckten Beinen steht eine dicke, schwarze 3. Foto: kallejipp | Photocase

 

Die Beteiligungsrunde in Deutschland 

Konkret ging es um die Frage: Was sollten Politik und Verwaltung in den EU-Mitgliedsländern und was sollten Schulen, Ausbildungsbetriebe, die Jugendarbeit usw. konkret tun, um

  • Lern- und Bildungsangebote gezielt auf eure Bedürfnisse zuzuschneiden;
  • euch eine Ausbildung mit echtem Mehrwert zu bieten und
  • jungen Menschen gleiche Arbeitsbedingungen zu ermöglichen?

Europaweit waren Jugendliche und Gruppen von Jugendlichen, egal ob als Verband, Schulklasse oder loser Zusammenschluss aufgerufen, sich mit den Fragestellungen auseinanderzusetzen, Meinungen, Ideen, Vorschläge und Forderungen zu entwickeln und diese in die 2. Runde des Strukturierten Dialogs zur Inklusion junger Menschen einzubringen. In Deutschland hatten junge Menschen von November 2013 bis Januar 2014 Zeit, ihre Beiträge online einzutragen.

››› Mehr Infos zum Thema, den Fragen und den Beiträgen

Mitte Januar 2014 startete die zweite Onlinephase. Jetzt wählten die Teilnehmenden die Beiträge aus, die ihnen für die weitere politische Diskussion besonders wichtig waren. Die Beiträge wurden für die Abstimmung redaktionell aufbereitet, d. h. inhaltlich identische Beiträge wurden zusammengefasst und Beiträge mit mehreren Aussagen in einzelne Aspekte unterteilt. Auf der Grundlage der Abstimmungsergebnisse entstand zu jeder Fragestellung ein Ranking. Jeweils die obere Hälfte fand Eingang in die vorliegende Zusammenfassung.

››› Abstimmungsergebnisse

Die Ergebnisse in Kürze

Maßgeschneidert lernen – aber wie?

Wie schaffen wir es, dass alle jungen Menschen, egal welche Stärken und Schwächen sie haben, gut lernen können? Die Antwort der Teilnehmer_innen der EU-Jugendkonferenz von Litauen dazu lautete: Die EU-Mitgliedsländer sollen ihre Bildungssysteme ganz individuell auf jeden einzelnen jungen Menschen zuschneiden. Das klingt erst einmal gut, aber was heißt das denn ganz praktisch?

Das antworteten die Teilnehmer_innen der Beteiligungsrunde:

  • Aktives Mitgestalten und Mitentscheiden junger Menschen trägt zu einem maßgeschneiderten Lernen bei.
  • Die Rahmenbedingungen im Bildungssystem müssen stimmen (z.B. kleine Klassen, individualisierte Fächer).
  • Nicht alle Lernenden dürfen über einen Kamm geschert werden. Lerngeschwindigkeit, Interessen und Lernumfeld müssen berücksichtigt werden.
  • Maßgeschneiderte Angebote sind auch im außerschulischen Beriech wichtig. Dafür braucht es gut ausgebildete Haupt- und Ehrenamtliche.

Ausbildung mit echtem Mehrwert – aber wie?

Eine Ausbildung, bei der die Ausbilder_innen nie Zeit für einen haben. Eine berufsvorbereitende Maßnahme, bei der man hinterher genauso schlau ist wie vorher. Ein Praktikum, bei dem man nur kopiert und Kaffee kocht… Eine gute Ausbildung sieht anders aus. Die Teilnehmer_innen der EU-Jugendkonferenz in Litauen forderten die Regierungen der EU-Mitgliedsländer deshalb auf: Sorgt dafür, dass alle jungen Menschen eine gute Ausbildung erhalten, die sie auch wirklich fit für ihr künftiges Arbeitsleben macht! Aber was müssen die Regierungen und andere Akteure denn dafür genau tun?

Das antworteten die Teilnehmer_innen der Beteiligungsrunde:

  • Gute Ausbildung heißt gute Rahmenbedingungen (z.B. sicheres Umfeld, Chance auf einen Arbeitsplatz, Förderung persönlicher Eigenschaften gefördert, ausreichende Vergütung, Erstattung von Auslagen).
  • Lern- und Arbeitsformen müssen eindeutig voneinander abgrenzt werden
  • Für Praktika muss es einen festen und verbindlichen Qualitätsrahmen geben.
  • Arbeitgeber_innen sind in der Verantwortung, ihren Beitrag für die Ausbildung von jungen Menschen zu leisten.

Gleiche Arbeitsbedingungen für alle – aber wie?

Junge Menschen haben ein Recht darauf, unter denselben Bedingungen beschäftigt zu werden wie andere Altersgruppen. Leider gehören sie zu einer Gruppe von Arbeitnehmer_innen, die auf dem Arbeitsmarkt häufig benachteiligt wird. Die Teilnehmer_innen der EU-Jugendkonferenz in Litauen forderten die EU-Mitgliedsländer deshalb auf: Stellt sicher, dass junge Menschen auch wirklich unter den gleichen Bedingungen beschäftigt werden wie andere Arbeitnehmer_innen! Doch was müssten Politik und Verwaltung, die Arbeitgeber_innen und andere Akteure aus eurer Sicht tun, damit das auch klappt?

Das antworteten die Teilnehmer_innen der Beteiligungsrunde:

  • Arbeitskraft junger Menschen als gleichwertig anerkennen.
  • Befristete Stellen generell abschaffen.
  • Automatische Informationen über Rechte von Arbeitsnehmer_innen.
  • Junge Menschen zum Eintritt in eine Gewerkschaft zu ermuntern.
  • Regelmäßiger Dialog zwischen Jugendlichen und Akteur_innen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.
  • Altersdiskriminierende Regelungen aufgeheben.

Mittendrin statt außen vor – Was fehlt euch dazu noch?

In den beiden ersten Runden des Strukturierten Dialogs zur Inklusion junger Menschen ging es vor allem um die Bereiche (Aus-)Bildung, Beschäftigung, Information und Beratung sowie jugendfreundliche Unterstützungsangebote. Damit haben wir einige Lebensbereiche, die für junge Menschen wichtig sind, bereits abgedeckt, aber lange noch nicht alle! Was fehlt also noch?

Das antworteten die Teilnehmer_innen der Beteiligungsrunde:

  • Jugendbeteiligung muss selbstverständlich werden: Wenn junge Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben sollen, müssen sie auch überall vertreten sein.
  • Grundsätzliches Umdenken bei Bewerbungsverfahren (z.B. Lebensläufe ohne Namen und andere Details, die auf die Herkunft schließen lassen).
  • Kindern und Jugendlichen zeigen, was Jugendverbände sind und was man dort alles an spannenden Dingen erleben und lernen kann.


››› Zusammenfassung der Ergebnisse herunterladen

 

 

 

Die EU-Jugendkonferenz in Griechenland

250 Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen aus der gesamten EU arbeiteten drei Tage lang in sieben Workshops 21 gemeinsame Empfehlungen zur gesellschaftlichen Inklusion junger Menschen aus. Grundlage für ihre Diskussionen waren die Vorschläge und Forderungen junger Menschen, die in den Wochen und Monaten zuvor europaweit zusammengetragen worden waren.

Das Fokusthema der griechischen Ratspräsidentschaft war dabei die Frage, wie das Unternehmertum (Entrepreneurship) junger Menschen deren soziale Inklusion fördern kann.


Die Ergebnisse in Kürze

Die 21 gemeinsamen Empfehlungen der Konferenz enthalten Vorschläge dazu, wie die EU-Institutionen, die EU-Mitgliedsländer und weitere Akteure

  • gleiche Lernchancen für alle jungen Menschen garantieren,
  • für junge Menschen den Übergang in den Arbeitsmarkt erleichtern,
  • eine qualitativ hochwertige Beschäftigung für junge Menschen gewährleisten,
  • die Solidarität zwischen den Generationen fördern,
  • Bedingungen für die vollständige gesellschaftliche Eingliederung junger Menschen schaffen,
  • das Unternehmertum junger Menschen ankurbeln und
  • ein Unternehmertum mit positiven sozialen Wirkungen  anregen


können.

Die Empfehlungen findet ihr unten als pdf-Dokument in der englischen Originalversion wie auch in einer von uns angefertigten deutschen Übersetzung zum Download.

Das Abschlussdokument wurde zum Abschluss der EU-Jugendkonferenz der griechischen EU-Ratspräsidentschaft überreicht. Diese brachte die Ergebnisse in den EU-Jugendministerrat und dort in die Arbeit an zwei Ratsdokumenten ein: den Schlussfolgerungen zum Jungunternehmertum und der Entschließung zur Inklusion junger Menschen. Beide Dokumente sind von den EU-Jugendminister_innen im Mai 2014 verabschiedet worden.

Die EU-Jugendkonferenz in Thessaloniki/Griechenland war die dritte und letzte im Rahmen des Strukturierten Dialogs zur Inklusion junger Menschen. Im Juli 2014 startete ein neuer 18-monatiger Prozess zum Thema „Youth Empowerment“.

 

››› Gemeinsame Schlussfolgerungen der EU-Jugendkonferenz von Thessaloniki (auf Deutsch)
››› Glossar zur deutschen Version

››› Gemeinsame Schlussfolgerungen der EU-Jugendkonferenz von Thessaloniki (auf Englisch)

 

 



Was ist Empowerment?
Ein junger Mann blickt durch ein Fernglas. Foto: gerlos | flickr.com (CC: BY-SA)
Doku zu JuPiD 2015
Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland
c/o Deutscher Bundesjugendring | Mühlendamm 3 | 10178 Berlin

Newsletter abonnieren




Zum Newsletter-Archiv ›››