hochINKLUSIV 2 - Die 2. Runde

Nachdem es in der 1. Runde vor allem um Herausforderungen und Schwierigkeiten ging, machten wir uns im Sommer 2013 in der 2. Runde auf die Suche nach Lösungen. 

Gefragt waren eure Vorschläge dazu, wie junge Menschen, die von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind, ganz konkret unterstützt werden können!

Die zentrale Frage lautete: Wie müssen gute Unterstützungsangebote aussehen, damit alle jungen Menschen gleichberechtigt an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilnehmen können?

Foto: kallejipp | Photocase
Eine Person macht einen großen Sprung vor einer Wand mit bunten Streifen. Unter den ausgestreckten Beinen steht eine dicke, schwarze 2. Foto: kallejipp | Photocase

 

Die Beteiligungsrunde in Deutschland 

Europaweit waren Jugendliche und Gruppen von Jugendlichen, egal ob als Verband, Schulklasse oder loser Zusammenschluss aufgerufen, sich mit den Fragestellungen auseinanderzusetzen, Meinungen, Ideen, Vorschläge und Forderungen zu entwickeln und diese in die 2. Runde des Strukturierten Dialogs zur Inklusion junger Menschen einzubringen. In Deutschland hatten junge Menschen von Mitte Mai bis Anfang Juli Zeit, ihre Beiträge online einzutragen.

››› Mehr Infos zum Thema, den Fragen und den Beiträgen

Mitte Juli 2013 startete die zweite Onlinephase. Jetzt wählten die Teilnehmenden die Beiträge aus, die ihnen für die weitere politische Diskussion besonders wichtig waren. Die Beiträge wurden für die Abstimmung redaktionell aufbereitet, d. h. inhaltlich identische Beiträge wurden zusammengefasst und Beiträge mit mehreren Aussagen in einzelne Aspekte unterteilt. Auf der Grundlage der Abstimmungsergebnisse entstand zu jeder Fragestellung ein Ranking. Jeweils die obere Hälfte fand Eingang in die vorliegende Zusammenfassung.

››› Abstimmungsergebnisse

Die Ergebnisse in Kürze

Titelseite der Zusammenfassung
Titelseite der Ergebniszusammenfassung

Bildungs- und Förderangebote - Starkmacher für alle jungen Menschen?

Der erste Themenbereich befasste sich mit der Frage, wie möglichst viele junge Menschen von „Starkmacher“-Angeboten erreicht und angesprochen werden könnten. Dabei wurde nicht nur auf Neues geschaut, sondern auch Bestehendes unter die Lupe genommen. Dies sind die Empfehlungen der Teilnehmenden der Beteiligungsrunde: 

  • „Starkmacher“-Angebote sollten für junge Menschen möglichst kostenneutral sein. 
  • „Starkmacher“-Angebote sollten nicht „von oben herab“ gestaltet werden, sondern Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie stehen. 
  • „Starkmacher“-Angebote sollten einen selbstbewussten Umgang mit Eigenschaften vermitteln, die Jugendliche selbst als Schwächen wahrnehmen. 
  • Um jungen Menschen die Scheu zu nehmen, empfehlen die Teilnehmenden Peer-to-Peer-Projekte. 
  • In die Entwicklung, Planung, Durchführung und Nachbereitung von Angeboten sollten möglichst viele junge Menschen, die zur Zielgruppe gehören, mit einbezogen werden. 
  • Schulen spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, über „Starkmacher“-Angebote zu informieren. Allerdings reicht eine gute Informationsstreuung allein nicht aus: Gerade im ländlichen Raum müssen die Angebote noch weiter ausgebaut werden.
     

Motiviert in Schule und Ausbildung - Abbruch adé?

Ohne einen Schul- oder Berufsabschluss fehlt jungen Menschen die wichtige „Eintrittskarte“ ins Berufsleben. Deshalb fragte der zweite Themenkomplex nach konkreten Lösungsvorschlägen, um die Zahl von Schul- oder Ausbildungsabbrecher_innen zu verringern. 
Das sagen die Teilnehmenden der Beteiligungsrunde dazu:

  • Mit dem Thema Schul- und Ausbildungsabbruch sollte einen offenen und öffentlichen Umgang gehen, damit es kein Tabuthema mehr ist.
  • Aus- und Wiedereintrittsmöglichkeiten sollten in der formalen Bildung besser berücksichtigt werden. 
  • Einzelne Schüler_innen sollten mit zusätzlichem Personal und speziellen Angeboten unterstützt werden, um ihnen das Gefühl zu geben, dass Schule auch Spaß und Freude bedeuten kann. 
  • Die Ausbildung von Lehrkräften sollte stärker darauf ausgerichtet sein, Probleme von Schü-ler_innen frühzeitig zu erkennen, sie anzugehen und Betroffene zu begleiten. 
  • Das Lernen muss kompetenzorientierter gestaltet werden, sodass auch individuelle Fähigkeiten und das persönliche Lerntempo einzelner Schüler_innen besser berücksichtigt werden können.


Beratungs- und Unterstützungsangebote –  Passgenau für Jugendliche? 

Es gibt bereits eine Vielzahl an Beratungs- und Unterstützungsangeboten zu Themen wie Finanzen, Gesundheit, Aufklärung, Partnerschaft, Familie, Wohnung, Schule, Ausbildung und Beruf für junge Menschen. In diesem Fragenbereich ging es vor allem um die Frage, was getan werden muss, damit junge betroffene Menschen diese Unterstützungsangebote auch wirklich nutzen. Dies sind die Vorschläge der Teilnehmenden der Beteiligungsrunde:

  • Angebote und Programme sollten eine individuelle Begleitung und Unterstützung ermöglichen. 
  • Die Angebote dürfen niemanden stigmatisieren, sondern sollten als  positive Chance beworben werden. 
  • Die Angebote sollten in räumlicher Nähe zu den Orten junger Menschen stattfinden, damit es nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt, um zu den Angeboten zu gelangen. 
  • Über Angebote sollte in einfacher Sprache informiert und es sollte auf barrierefreie Zugänge (z.B. auch auf Internetseiten) geachtet werden. 
  • Schulen sollten über bestehende Angebote informieren, z.B. durch Aushänge.
  • Bei Fortbildungen von Lehrkräften sollte das Thema Unterstützungs- und Beratungsangebote noch stärker kommuniziert werden.

 

Die Rolle von Jugendverbänden, Jugendzentren, der Jugendhilfe & Co –  Im Einsatz für die Inklusion junger Menschen

Für alle, die tiefer in die Diskussion einsteigen wollten, gab es im letzten Themenbereich Fragen dazu, wie Verbände, Organisationen und Jugendeinrichtungen einbezogen werden können, um politische Maßnahmen zur Inklusion junger Menschen zu verbessern und zu unterstützen. Das empfehlen die Teilnehmenden der Beteiligungsrunde:

  • Die benannten Partner aus dem Jugendbereich könnten durch ihre Erfahrungen eine Unterstützung bei politischen Maßnahmen sein. 
  • Jugendverbände sollten bereits bei der Konzeption von Maßnahmen konsultiert werden.
  • Die Organisationen, Einrichtungen und Verbände sollten sich dafür einsetzen, dass es ausreichend niederschwellige soziale, kulturelle, sportliche und musische Angebote auch für benachteiligte Kinder und Jugendliche gibt. 
  • Sie sollten überprüfen, ob die bestehenden Angebote und Mitgliedschaftsregelungen wirklich offen für alle Kinder und Jugendlichen sind. 
  • Jugendverbänden und -einrichtungen sollten die Stimme von Einzelnen verstärken. 
  • Organisation und Einrichtungen sind bereits im Bereich Inklusion aktiv, doch leider ist das nicht allen jungen Menschen bekannt. Bestehende Angebote und Möglichkeiten werden nicht voll genutzt. 
  • Politische Entscheidungsträger_innen sollten sich aktiv dafür einsetzen, dass junge Menschen sich in Zusammenschlüssen engagierten.


››› Zusammenfassung der Ergebnisse herunterladen


Die EU-Jugendkonferenz in Litauen

Foto: Eglė Gendrėnaitė
Foto vom Abschlussplenum der EU-Jugendkonferenz in Vilnius. Im Vordergrund sind Jugendvertreter_innen zu sehen, die ihre Daumen hochstrecken, im Hintergrund eine Leinwand mit der Aufschrift "EU Youth Conference in Vilnius 9-12 September".  Foto: Eglė

Mitte September kamen in Vilnius 250 Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen aus der gesamten EU zur EU-Jugendkonferenz zusammen. Drei Tage lang haben sie gemeinsam konkrete Vorschläge dazu erarbeitet, wie die gesellschaftliche Ausgrenzung junger Menschen in Europa bekämpft werden kann.

Grundlage für ihre Diskussionen waren die Vorschläge junger Menschen, die zuvor über Beteiligungsrunden in den 28 EU-Mitgliedsländern und von 17 internationalen Jugendorganisationen zusammengetragen und gebündelt worden waren. Darunter waren natürlich auch die Beiträge aus Deutschland.

Die Ergebnisse der EU-Jugendkonferenz in Kürze

Die 21 Schussfolgerungen der Konferenz enthalten Vorschläge dazu, wie die EU-Institutionen, die EU-Mitgliedsländer und weitere Akteure

  • Bildung an die Bedürfnisse junger Menschen und die Herausforderungen des Arbeitsmarktes ANPASSEN
  • Junge Menschen in Übergangsphasen INFORMIEREN und BERATEN
  • Übergänge zwischen Schule und Beruf ERLEICHTERN
  • Den Arbeitsmarkt für junge Menschen VERBESSERN
  • Die Unabhängigkeit junger Menschen UNTERSTÜTZEN
  • Die Rolle von Jugendorganisationen STÄRKEN
  • Bereichsübergreifende Zusammenarbeit ENTWICKELN 

können. 

Unter anderem schlagen die Teilnehmer_innen der Konferenz vor, die Bildungssysteme individuell auf die Lernenden zuzuschneiden, um besser soziale Werte, Allgemeinwissen sowie Alltags- und Berufskompetenz zu vermitteln. Lehrkräfte sollten zu den Themen Inklusion und Vielfalt/Diversität geschult werden und lernen, wie man ein geeignetes Lernumfeld für alle Lernenden schafft.

Des Weiteren empfehlen die Teilnehmer_innen den EU-Mitgliedstaaten, ein verpflichtendes System einzurichten, das gewährleistet, dass jedes Praktikum in der EU hochwertig und ausreichend finanziert ist. Arbeitgeber_innen sollten mit Steuer- oder ähnlichen Anreizen ermutigt werden, entsprechende Praktikumsplätze anzubieten. Darüber hinaus sollte sichergestellt werden, dass junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt nicht aufgrund ihres Alters diskriminiert werden.

Eine weitere Schlussfolgerung fordert die EU-Länder auf, die erforderlichen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit junge Menschen Zugang zu erschwinglichem und passendem Wohnraum erhalten und ein selbständiges Leben führen können.

››› Gemeinsame Schlussfolgerungen der EU-Jugendkonferenz (auf Deutsch)
››› Glossar zur deutschen Version

››› Gemeinsame Schlussfolgerungen der EU-Jugendkonferenz (auf Englisch)
››› Übersicht über die Ergebnisse der europaweiten Beteiligungsrunden (auf Englisch)

››› Videoclip über die EU-Jugendkonferenz (auf Englisch)


Das passierte weiter mit den Ergebnissen

Die EU-Jugendminister_innen verabschiedeten am 25./26. Novbember 2013 ein Ratsdokument zur Förderung der sozialen Inklusion junger Menschen, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren.

Darin zieht der EU-Jugendministerrat Schlussfolgerungen dazu, was die Mitgliedstaaten in den Bereichen

  • Vorbeugung
  • allgemeine und berufliche Bildung und nichtformales Lernen
  • Übergang von der Ausbildung ins Erwerbsleben
  • Beschäftigung

tun könnten, damit kein junger Menschen außen vor bleiben muss.

››› Das Ratsdokument herunterladen


Jugendvertreter_innen
Foto: Drotleff | Isilar | Lange
Was ist Empowerment?
Ein junger Mann blickt durch ein Fernglas. Foto: gerlos | flickr.com (CC: BY-SA)
Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland
c/o Deutscher Bundesjugendring | Mühlendamm 3 | 10178 Berlin

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