Zusammenleben mitgestalten

Im November 2015 haben die EU-Jugendminister_innen das neue Schwerpunktthema für den Strukturierten Dialog beschlossen. Es lautet: Allen Jugendlichen ermöglichen, sich an einem vielfältigen, vernetzten und inklusiven Europa zu beteiligen – bereit fürs Leben, bereit für die Gesellschaft.

Ein ganz schön langes Thema, findet ihr? So sah das die Nationale Arbeitsgruppe auch und hat sich deshalb für eine deutlich kürzere Formulierung entschieden: Zusammenleben mitgestalten.

Hier erfahrt ihr mehr über das Thema, den Prozess sowie die einzelnen Schritte in Deutschland und auf EU-Ebene.

Foto: CC0 - Public Domain
Foto: CC0 - Public Domain


Junge Menschen in Deutschland und Europa stehen vor vielen Herausforderungen. Da sind die Nachwirkungen der Wirtschaftskrise zu nennen, unter denen viele Jugendliche und junge Erwachsene in der EU weiterhin leiden, aber auch Änderungen, die zum Beispiel die zunehmende Digitalisierung oder der demografische Wandel mit sich bringen. Und natürlich nicht zu vergessen die aktuellen Entwicklungen: Integration von Geflüchteten, Umgang mit vielfältigen Gesellschaften, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung, zunehmender Nationalismus, geschlossene Grenzen, Radikalisierungstendenzen, Angst vor Überfremdung und Terror…

All dies führt zu spürbaren Veränderungen in der Gesellschaft und in unseren Alltagsleben. Junge Menschen sind davon häufig besonders stark betroffen.

Bis Mitte 2017 geht’s im Strukturierten Dialog deshalb um die Frage, was junge Menschen brauchen, um mit diesen Veränderungen umgehen und das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland und Europa aktiv mitgestalten zu können.


Orientieren - Beteiligen - Konkretisieren

In einem eineinhalbjährigen Dialogprozess werden europaweit von jungen Menschen und Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung gemeinsam Ideen und Vorschläge entwickeln. Dies geschieht in drei aufeinander aufbauenden Schritten: Orientieren - Beteiligen - Konkretisieren.

Jeder der drei Schritte wird durch Aktivitäten in Deutschland vorbereitet und durch eine EU-Jugendkonferenz abgeschlossen. Dort werden die gebündelten Vorschläge aus Deutschland von Jugend- und Ministerumsvertreter_innen mit den Ergebnissen aus den anderen Mitgliedsstaaten zusammengeführt. Die Ergebnisse einer EU-Jugendkonferenz bilden dann jeweils die Grundlage für den nächsten Schritt.


1. Schritt: Orientieren (Januar bis März 2016)

Grafik: DBJR

Worum soll’s denn nun genau gehen? Zu Beginn musste ein gemeinsames Verständnis des Themas und damit der Rahmen für die weitere Arbeit entwickelt werden. „Zusammenleben“ findet schließlich in sehr vielen Bereichen statt und es musste vereinbart werden, mit welchen Punkten und Fragestellungen wir uns im weiteren Prozess intensiver beschäftigen wollen.

Die Nationalen Arbeitsgruppen hatten die Aufgabe, das Thema durch die Brille des eigenen Landes zu betrachten und die Punkte, die aus Sicht von jungen Menschen dabei besonders wichtig sind, zusammenzustellen.

  • In welchen Bereichen ihres Lebens erleben junge Menschen derzeit besonders viele Veränderungen? Wo gibt es besonders viele Herausforderungen und Probleme?
  • In welchen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland und Europa sehen junge Menschen Handlungsbedarf?
  • Wo muss/soll (Jugend-)Politik aktiv werden, damit alle jungen Menschen am Zusammenleben teilhaben können und niemand ausgegrenzt wird?



Aktivitäten in Deutschland

In Deutschland fanden dazu die folgenden Aktivitäten statt:

  • Diskussionsrunden mit jungen Menschen: Das Multiplikator_innen-Team für den Strukturierten Dialog führte an verschiedenen Orten in Deutschland kleine Workshops mit Jugendlichen zu den Fragen durch und hielten die Ergebnisse fest.
  • Auswertung von Aktivitäten von und mit Jugendlichen: In Deutschland fanden und finden in- und außerhalb des Strukturierten Dialogs zahlreiche Aktivitäten von und mit jungen Menschen statt, bei denen es unter anderem auch um das Thema „Zusammenleben mitgestalten“ geht: Projekte, Konferenzen, Seminare, Gruppenstunden, Dialog mit Politiker_innen, Workshops, BarCamps… Verschiedenen Gruppen, Projekte, Verbände und Initiativen schickten Materialien - von fertigen Publikationen, Pressemitteilungen und Positionspapieren bis hin zu abfotografierten Flipcharts und beschriebenen World-Café-Tischdecken war alles dabei.


Alle Materialien wurden von der Koordinierungsstelle für den Strukturierten Dialog im Hinblick auf die Fragestellungen ausgewertet.

Mehr über die Ergebnisse erfahren

a) Flucht – Asyl – Integration

  • Herausforderung N° 1: Lebensumstände von Flüchtenden/Geflüchteten
  • Herausforderung N° 2: Gelingende Integration
  • Herausforderung N° 3: Willkommenskultur vs. Entstehung von Angst und Unsicherheit in der Gesellschaft


b) Extremismus & Fremdenfeindlichkeit

  • Herausforderung N° 1: Zunehmende flüchtlingsfeindliche und antidemokratische Tendenzen
  • Herausforderung N° 2: Vorurteile & Ängste werden geschürt

 
c) Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt

  • Herausforderung N° 1: Diskriminierung / gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Herausforderung N° 2: Interkulturelle Öffnung
  • Herausforderung N° 3: Echte Inklusion


d) Bild und Rolle der Jugend in der Gesellschaft

  • Herausforderung N° 1: Schlechtes Image von Jugendlichen
  • Herausforderung N° 2: Demografischer Wandel
  • Herausforderung N° 3: Zeit- und Leistungsdruck, fehlende Freiräume
  • Herausforderung N° 4: Gleichberechtigte Teilhabe und Anerkennung


e) Bildung

  • Herausforderung N° 1: Schul-/Bildungssystem muss besser werden
  • Herausforderung N° 2: Fehlende Umsetzung von Vielfalt, Inklusion, Partizipation

 
f) Weitere Themen (weniger ausführlich):

  • zunehmende Digitalisierung
  • Nachhaltigkeit

EU-Jugendkonferenz in Amsterdam (April 2016)

Foto: Niederländische Ratspräsidentschaft
Gruppenbild der Teilnehmenden der EU-Jugendkonferenz in Amsterdam im April 2016. Foto: Niederländische Ratspräsidentschaft.

Anfang April 2016 diskutierten 200 Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen aus allen EU-Ländern vier Tage lang in über die Herausforderungen für junge Menschen in einem inklusiven, vielfältigen und vernetzen Europa. Neben der Arbeit in Workshops wurde das Programm durch einen OpenSpace sowie „Feldbesuche“ bei Jugendeinrichtungen vor Ort ergänzt. ››› Mehr über die EU-Jugendkonferenz in Amsterdam erfahren

Das Ergebnis ist ein Orientierungsrahmen. Er bildet die inhaltliche Grundlage für die nun folgende europaweite Konsultation mit Jugendlichen.
››› Orientierungsrahmen auf Deutsch herunterladen
››› Orientierungsrahmen auf Englisch herunterladen



2. Schritt: Beteiligen (April – August 2016)

Grafik: DBJR
Grafik: DBJR

Ziel dieser Phase ist es, Meinungen, Lösungsvorschläge und Forderungen junger Menschen zu den Themen, die auf der EU-Jugendkonferenz in Amsterdam herausgefiltert wurden, zusammenzutragen und zu diskutieren. Dazu organisieren die Nationalen Arbeitsgruppen in allen EU-Mitgliedsländern Beteiligungsrunden (Konsultationen).

Aktivitäten in Deutschland

In Deutschland startet die Beteiligungsrunde mit einem Kick-off-Wochenende vom 29. April bis 1. Mai 2016. Anschließend konnten unter dem Titel „Zusammenleben mitgestalten“ junge Menschen und Jugendgruppen in Deutschland von Mai bis August 2016  ihre Meinungen, Vorschläge und Positionen  einbringen. Im Anschluss wurde online über die wichtigsten Beiträge abgestimmt.

Insgesamt kamen 387 Beiträge von Einzelpersonen und Jugendgruppen unterschiedlicher Größe zusammen. Die meisten Antworten gab es zu den Themen „Zusammenleben in Vielfalt“ und „Zusammen gegen Ausgrenzung“. Viele Teilnehmede beschäftigte dabei besonders die Situation von geflüchteten Jugendlichen.
››› Alle Beiträge ansehen

Im August 2016 startete die zweite Onlinephase. In dieser konnten die Teilnehmenden die Beiträge auswählen, die ihnen für die weitere politische Diskussion besonders wichtig waren. Die Beiträge wurden für die Abstimmung von Koordinierungsstelle für den Strukturierten Dialog redaktionell vorbereitet. Das heißt, inhaltlich ähnliche Beiträge wurden z.B. zusammengefasst und Beiträge mit mehreren Aussagen aufgesplittet.
››› Abstimmungsergebnis ansehen

Auf der Grundlage der Abstimmungsergebnisse wurde zu jeder Fragestellung ein Ranking erstellt. In die Zusammenfassung aufgenommen, wurden die Beiträge, die es in der oberen Hälfte des Rankings schafften.
››› Broschüre mit Zusammenfassung der Ergebnisse (pdf-Datei, ca. 1,2 MB)

EU-Jugendkonferenz in Košice (Oktober 2016)

Foto: Isilay Isilar

Auf der 2. EU-Jugendkonferenz im slowakischen Košice wurden Anfang Oktober 2016 die Meinungen, Lösungsvorschläge und Forderungen junger Menschenaus aus allen EU-Ländern zusammengebracht und von Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen diskutiert. Aufgabe war es, daraus gemeinsame Empfehlungen zu formulieren.

Die gemeinsamen Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz in Košice gliedern sich in acht Themen und beschreiben was junge Menschen brauchen, um mit gesellschaftlichen Veränderungen umgehen und das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland und Europa aktiv mitgestalten zu können:

  • Zugang zu hochwertigen und kritischen Informationen
  • Junge Menschen unter Druck: Widerstandsfähigkeit und Selbstvertrauen aufbauen
  • Angst und Intoleranz überwinden – Vielfalt erleben
  • Ein Bildungssystem, in dem junge Menschen ihre Potenziale entfalten können
  • Gesellschaftliches Engagement junger Menschen fördern, insbesondere für schwächere Gruppen
  • Das Vertrauen junger Menschen in das Projekt Europa wieder aufbauen
  • Mobilitätsprogramm: Beschäftigung und Bildung für alle
  • Der Einfluss von Jugendarbeit und Jugendverbänden für alle jungen Menschen


››› Gemeinsame Empfehlungen auf Deutsch
››› Gemeinsame Empfehlungen auf Englisch


3. Schritt: Konkretisieren (Oktober 2016 – Februar 2017)

Grafik: DBJR
Grafik: DBJR

Im dritten und letzten Schritt geht es dann darum, konkrete Umsetzungsvorschläge zu den Empfehlungen zu entwickeln und Beispiele guter Praxis zusammenzutragen.

Um die Arbeit mit den Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz von Košice zu erleichtern, haben wir sie eine verständlichere Sprache "übersetzen" lassen und Begriffe erklärt:
››› Empfehlungen in verständlicherer Sprache (ca. 120 KB)

Aktivitäten in Deutschland

In Deutschland fand dazu vom 12. bis 14. November 2016 die Dialogveranstaltung „JuPiD 2016 - Jugend und Politik im Dialog“ statt. Junge Menschen aus ganz Deutschland diskutierten dort miteinander und mit Verantwortlichen aus der Politik über die Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz in der Slowakei und entwickelten Umsetzungsvorschläge.

››› Dokumentation der Ergebnisse von "JuPiD 2016" (pdf, 4 MB)

Darüber hinaus waren die Mitglieder des jump-Teams in Deutschland unterwegs. Sie diskutierten mit Jugendlichen über die Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz und sammelten Umsetzungsvorschläge und Beispiele guter Praxis.

 

››› Dokumentation der Ergebnisse des jump-Teams (pdf, 3 MB)

 

 

Foto: Łukasz Karaś
Foto: Łukasz Karaś

EU-Jugendkonferenz in Buggibat (Malta)

Auf der dritten und letzten EU-Jugendkonferenz im diskutieren die Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen im März 2017 über die Beiträge aus den Mitgliedstaaten und entwickeln daraus einen „Werkzeugkasten“ für Verantwortliche aus Politik und Verwaltung. Dieser „Werkzeugkasten“ soll helfen, die Empfehlungen mit Leben zu füllen und dazu beitragen, dass politische Entscheidungsträger_innen die Ergebnisse des Strukturierten Dialogs aufgreifen und für die (Weiter-)Entwicklung von Jugendpolitik nutzen.

EU-Jugendministerrat

Ende Mai 2017 werden die EU-Jugendminister_innen ein offizielles Ratsdokument mit Empfehlungen für die EU-Mitgliedstaaten und die EU-Kommission verabschieden, das hoffentlich möglichst viele der im Strukturierten Dialog entwickelten Vorschläge aufgreifen wird.


Werkstatt MitWirkung
Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland
c/o Deutscher Bundesjugendring | Mühlendamm 3 | 10178 Berlin

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